Spielregeln und Werte

Spielregeln

  • Wir richten uns nach den gesetzlichen Bestimmungen der Schweiz, illegale Aktivitäten werden in unseren Räumen nicht toleriert. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre.
  • Bitte verzichte darauf, Alkohol oder Bewusstseinsverändernde Drogen zu konsumieren. Ausnahme: Moderater Alkoholkonsum wird bei ‘Meet & Greets’ oder Vorträgen ohne Übungen toleriert. Lies zum Thema auch folgenden Blogeintrag.
  • Explizite Diskriminierung sowie verbale oder physische Grenzüberschreitungen wird an unseren Veranstaltungen nicht toleriert und wird zu einem sofortigen Ausschluss führen. Wenn du eine Grenzüberschreitung vermutest, bezeugst oder erlebst, bitten wir dies sofort der Leitung zu melden. Wenn du das nicht schaffst, ist das okay. Auch zu einem späteren Zeitpunkt sind wir froh darum zu hören, wenn etwas grenzüberschreitendes in unseren Räumen passiert ist.
  • Wir feiern Resonanz und Dissonanz gleichermassen. Sprich bitte deine Befindlichkeit an oder drücke sie körperlich aus. Wenn dich etwas stört, wollen wir es wissen, auch wenn niemand etwas falsch gemacht hat. Wir laden dich explizit ein, den Raum mitzutragen, indem du Grenzen setzt, Verletzungen ansprichst, Stopp sagst, oder in einem Sharing deine Gefühle besprichst. Falls es dir im Moment selbst nicht gelingt, kannst du auch im Nachhinein mit uns darüber kommunizieren.
  • Für Meldungen im Nachhinein stehen dir Feedback Formular, E-Mail, Sprachmemo (0795505317) oder Telefonat.
  • Das Safeword für all unsere Events lautet Mayday. Sobald Mayday ausgesprochen wird, muss sofort die gesamte Situation, in der die Person sich befindet, gestoppt werden. Normalerweise heisst Mayday, dass die Person in Panik gerät, sich in gesundheitlicher Gefahr befindet, oder das ihre Grenzen missachtet oder nicht erfragt werden. Dies kann in einem Spiel, in einer Begegnung mit einer anderen Person oder während eines Workshops passieren. Alle Beteiligten und auch die aussenstehenden Leute, sind angehalten zu unterstützen. Mehr zu Safewords findest du in unserem Glossar.

 

Leitfaden
Wir haben die Intention, ein konsensueller Raum zu sein. Wir wollen alle aktiv danach bestrebt sein, einander zu ermächtigen, Zugang zu Wissen zu ermöglichen und wohltuende Interaktionen zu erleben. Damit uns dies gelingt, brauchen wir Menschen mit Feingefühl, Mitgefühl und einem Grundverständnis darüber, wer sie sind und welche Machtstrukturen sie beeinflussen.
Wir suchen keine perfekten Menschen und wir wünschen uns eine diverse Gruppe. Wir erkennen dabei auch an, dass es manchmal zu Spannungen und Unbehagen kommen kann.
Wir bitten dich, dich nach Folgendem zu richten:

Grosszügigkeit

  • Sei grosszügig dir selber gegenüber, indem du deine Grenzen respektierst und auf dich achtest.
  • Gehe in Interaktionen grundsätzlich davon aus, dass dein Gegenüber mit bestem Wissen und Gewissen handelt.
  • Sei bereit, dich ehrlich auszudrücken, dich zu entschuldigen wenn jemand von deinen Verhalten verletzt ist, lösungsorientiert zu kommunizieren und bei Bedarf Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  • Toleriere Unterschiede in Verhalten und Ansichten und erkenne dabei an, dass nicht alle in der gleichen ‘Bubble’ leben wie du. Respektiere, dass alle Menschen auf ihrem Weg sind und sich gerade dort befinden, wo sie sich befinden.

Community-Bewusstsein und Verantwortung für die Gruppe

  • Betrete unsere Räume mit Neugier und Empathie. Einen tragenden Raum, in dem sich alle willkommen fühlen zu schaffen, hat eine hohe Priorität.
  • Verwende die Namen und Pronomen, die dir dein Gegenüber mitteilt. Mehr dazu im Glossar
  • Vertraulichkeit: Sprich ausserhalb unserer Räume nicht über andere Teilnehmende, deren Namen oder Identitäten (ausser mit deren ausdrücklicher Zustimmung).
  • Hilf dabei, die Räume sauber und ordentlich zu halten.
  • Manchmal ist es einfacher, für andere einzustehen als für sich selbst. Halte Augen, Ohren und Herz offen und frag nach, wenn du das Gefühl hast dass jemand Hilfe braucht.
  • Bilde dich zum Thema Privilegien und gängige Machtstrukturen weiter (siehe Glossar).

 

Selbst-Bewusstsein & Eigenverantwortung

  • Mach dir ein Bild davon, wie du auf andere wirkst und was deine Fähigkeiten und Grenzen sind. Unser Sharing-Circle zu Beginn von Veranstaltungen gibt dir die Möglichkeit, deine Bedenken, Bedürfnisse und andere wichtige Informationen mitzuteilen, die für andere hilfreich sein könnten. Du bist aber in jedem Moment eingeladen mitzuteilen, was in dir aufkommt.
  • Versuche, deine Impulse und Grenzen zu spüren und diese zu kommunizieren.
  • Sei dir bewusst, dass deine Erfahrungen, Wahrnehmungen, Gedanken, Geschichten, dein Körper und deine Grenzen dir gehören, genauso wie andere Menschen ihre eigenen Erfahrungen, Wahrnehmungen, Gedanke, Geschichte, ihren eigenen Körper und ihre eigenen Grenzen haben.
  • Lerne, wie du dein Nervensystem regulieren kannst, wenn du in eine Stresssituation gerätst und wie du auf dich selbst achten kannst. Du bist für deinen physischen und psychischen Komfort verantwortlich. Wenn du Unterstützung brauchst, bitte um Hilfe.
  • In Konfliktsituationen bist du in der Lage, diese auszuhalten. Du bleibst neugierig und authentisch und versuchst zu verstehen, was deine Rolle ist, welche Teil deine Geschichte und Muster sind und wie dein daraus resultierendes Verhalten aussieht.

 

Gesundheit & Hygiene

  • Achte auf gute Hygiene.
    Uns ist klar, dass Hygiene für alle etwas anders heissen mag, deshalb haben wir einige Standards festgelegt: Saubere, geschnittene und gepflegte Nägel, saubere Hände und Füsse, geputzte Zähne und regelmässiges Waschen von Körperregionen, welche zu starken Gerüchen führen können. Wir gehen davon aus, dass die Körperteile, die du berühren lässt, gewaschen sind. Bitte verzichte geruchssensiblen Menschen zuliebe auch auf stark riechende Parfüme.
  • Wenn du derzeit eine nachgewiesene übertragbare Infektion hast, komm bitte nicht zu unseren Veranstaltungen, sollte diese durch den Aufenthalt im selben Raum oder durch sprechen übertragen werden.
  • Wenn du eine übertragbare Hautinfektion hast, mache bitte keine Berührungsübungen, ohne dein gegenüber darüber zu informieren.
  • Bitte führt vor sexuellen Interaktionen immer eine Spielvereinbarung durch (siehe unten), so lange diese nicht vom Workshopformat selber gegeben wird.

 

Konsensuelle Voraussetzungen

  • Bitte lies das Zwischenwelten-Glossar und mach dich mit den Begriffen vertraut, damit wir zwischen den Welten eine gemeinsame Sprache verwenden können. Das Glossar ist nicht vollständig, sondern ein kommunales Projekt, welches wir bei Bedarf erweitern und anpassen. Kontaktiere uns, wenn dir etwas fehlt, wenn du Fragen oder eine andere Meinung zu einer Definition hast.
  • Opt-in / Regel der zwei Füsse: Jede Übung und Interaktion findet Opt-in only statt. Es wird nie angenommen, dass du bei etwas mitmachst. Wenn du dich in einer Situation befindest, in der du nicht sein möchtest, reicht es aus, dich physisch zu entfernen. Du kannst dich jederzeit frei bewegen und musst dich dafür nicht rechtfertigen. Ein „Nein“ ist bei uns immer willkommen.
  • Wenn du dich entscheidest, einen Workshop vor dessen Beendigung zu verlassen, informiere bitte die Workshop Leitung.
  • Für Spiele und Übungen ist immer und von allen Beteiligten eine ausdrückliche Zustimmung erforderlich. Wenn du jemanden ansprichst, gib der Person Raum und Zeit, eine authentische Antwort zu äussern.
  • Für soziale Interaktionen wie Gespräche und das nebeineinander Sitzen, ist eine non-verbale Zustimmung erforderlich. Bitte beachte dabei die Körpersprache der Menschen, mit denen du interagierst. Wenn dir das schwer fällt, oder du unsicher bist, ob deine Anwesenheit willkommen ist, frage einfach nach.
  • Wenn dir eine Person oder Situation unangenehm ist und du aus irgendeinem Grund merkst, dass dies Diskomfort oder Meidung auslöst, informiere bitte die Workshop Leitung oder deren Assistent*in. Wenn du das Gefühl hast, dass dir jemand aus dem Weg geht, sprich uns an. Das muss nicht bedeuten, dass irgendjemand etwas falsch gemacht hat. Dennoch ist es uns wichtig, über dein Unwohlsein Bescheid zu wissen.

 

Wir sind uns bewusst, dass wir in einer Welt leben, in der viele Menschen nicht alle Regeln befolgen oder solche sehr flexibel auslegen. Räume, wie unsere sind anders: Wir meinen all diese Worte sehr ernst und möchten, dass du sie anerkennst und ehrst.

 

Spielvereinbarung
Für jede Art von Spiel oder sexuellen Begegnungen benötigen wir eine mündliche Vereinbarung. Folgende Fragen müssen beantwortet werden.

  • Wie lange soll das Spiel dauern?
  • Wer wird was machen? ?
  • Was ist die Intention des Spiels? (Wunscherfüllung Person A, Wunscherfüllung Person B, Flow Play oder Rollenspiel?)
  • Welche Tools werden benützt, welche Berührungsarten und Interaktionen werden stattfinden? Welche Körperteile werden berührt, welche nicht?
  • Welche Körperteile willst du berühren?
  • Welche Gefühle / Emotionen wollen wir während diesem Spiel erleben? Ist sexueller Ausdruck willkommen? Wie könnte dieser aussehen?
  • Welche Gefühle / Emotionen / Momente sind die Momente wo wir Stop sagen? Versucht diese, bildlich zu verbalisieren.
  • Was sind deine Safer Sex Anforderungen? Welches Material benutzen wir?
  • Sind uns die Risiken dieser Interaktion bewusst?
  • Haben wir relevante Beziehungsvereinbarungen?
  • Haben wir körperliche oder psychische Einschränkungen, die wir offenlegen müssen?
  • Haben wir relevante Infektionen?
  • Hast du schone Erfahrungen mit dieser Art des Spiels und weisst, wie du reagieren wirst?
  • Wie ermächtigt fühlst du dich, abzubrechen, oder Stopp zu sagen? Wollen wir ein Safeword festlegen?

 

Konsens ist eine fortlaufende Vereinbarung. Dies bedeutet, dass ein explizites Ja erforderlich ist, um Spiel und sexuelle Berührung zu initiieren, jedoch können sich Impulse, Wünsche und Grenzen jederzeit ändern.

  • Do not upgrade! Während des Spiels: Wenn du mündlich zugestimmt hast, bestimmte Körperteile nicht zu berühren und bestimmte Spielarten nicht durchzuführen, ändere nicht einfach die Richtung des Spiels (auch wenn es den Anschein macht dein Gegenüber wäre mit im Boot), beende oder pausiere das Spiel und besprich genau, was als nächstes passieren soll.
  • Es ist völlig normal zu denken, dass du etwas toll finden wirst und dann zu merken, dass es sich doch nicht so gut anfühlt wie gedacht. Du darfst deine Meinung jederzeit ändern. Stopp das Spiel, wenn du nicht mehr das Gefühl hast, von der Erfahrung zu profitieren. Wenn du nicht sicher bist, ist dies wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass du damit aufhören solltest.
  • Verwende jederzeit das Safeword Mayday oder das Supportword Pan-Pan.

 

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