Zwischenwelten und der Feminismus

Feminismus ist heutzutage in aller Munde und auch bei Zwischenwelten finden wir es ab und zu unvermeidlich, unsere geballten Fäuste empor zu heben und uns für eine gerechtere Welt einzusetzen. Wenn wir dies tun, kämpfen wir Organisatorinnen als Cis-Frauen natürlich auch für unsere eigenen Rechte. Genau so fest erhoffen wir uns aber auch, die Situation von allen Menschen, und dazu zählen wir selbstverständlich auch Männer*, drastisch zu verbessern.

Wir sind uns bewusst, dass die Sprache und Form des Feminismus manchen vor den Kopf stossen können. Erstens kritisiert er natürlich eine Vielfalt anderer Diskriminierung, wie zum Beispiel Rassismus, nicht. Ausserdem ist die strukturelle Unterscheidung zwischen Frauen, den Opfern, und Männern, den Tätern, nicht nur eine Simplifizierung eines unglaublich komplexen Problems; es stellt Männer auch in eine schwierige Position und anerkennt ihre eigenen Schwächen und Benachteiligungen innerhalb der Gesellschaft nicht. Schlimmer noch führt dies dazu, dass ein Kampf zwischen Männern und Frauen entsteht, anstatt den Fokus auf das eigentliche Problem zu richten, welches unserer Meinung nach vor allem der Kapitalismus ist.

Wir finden es eine Zeitverschwendung, darüber zu diskutieren, wer es am schwersten hat; der Transmann, der um Anerkennung und Akzeptanz kämpft, der Cis-Mann, der unfreiwillig ins Militär gedrängt wird, die junge Frau, die regelmässig sexuelle Belästigung über sich ergehen lässt, der genderqueere Mensch, der in einer Gesellschaft lebt, die sich weigert dessen Identität anzuerkennen, der Mensch ausländischer Herkunft, welcher aufgrund seiner Hautfarbe regelmässige Polizeibelästigung über sich ergehen lassen muss, oder die Hausfrau, deren Arbeit nicht wertgeschätzt und deren Intellekt hinterfragt wird. Es sind alles auf ihre eigene Art Probleme, welche Unterstützung, Empathie und politische Arbeit benötigen.

Wir sind Feministinnen. Wir wissen, dass Frauen auf viele messbare und nicht messbare Arten benachteiligt sind. Wir sind für die Gleichstellung für Mann und Frau, wir sind auch für das Aufbrechen erzwungener Geschlechterrollen und für Akzeptanz, Toleranz und Solidarität zwischen Menschen. Wir versuchen aktiv Möglichkeiten zu finden, diese Schwierigkeiten zu thematisieren und haben deshalb eine Serie von Frauen*-Workshops auf die Beine gestellt. Als Cis-Frauen fiel uns das sehr leicht. Trotzdem sind wir uns bewusst, dass es viel mehr derartige sichere Räume für Frauen* als für Männer* gibt. Deshalb freuen wir uns, diesen Herbst John Aigner nach Zürich einladen zu dürfen, der unseren ersten Männer*-Workshop anbieten wird.

Das Konzept von Zwischenwelten beruht darauf, dass wir Räume fernab der regulären Gesellschaftsstruktur erschaffen wollen. Räume, in denen wir für kurze Zeit unsere alltäglichen Rollen ablegen und uns aufs Neue erfinden dürfen. Wir spielen mit unseren Geschlechtern, mit unseren tiefen Wünschen, egal wie düster sie sein mögen, und mit unserer Macht und Ohnmacht. Wir hoffen, dass wir daraus tiefe Einsichten über uns selbst und unsere eigene Umgebung gewinnen können, um diese Erkenntnisse dann auch in die reale Welt herauszutragen. Wir wünschen uns, dass das Geschenk der Selbstentdeckung positive, nachhaltige Veränderungen in unserer Gesellschaft bringt: Solidarität, ein aktives Hinterfragen bestehender Strukturen und Empathie uns selber und anderen gegenüber.

Sidonia
sidonia@zwischenwelten.ch
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