Wie erkenne ich gute Sexpositive Events?

Wie erkenne ich gute Sexpositive Events?

In der grossen Angebotsfülle, die es mittlerweile gibt, ist es nicht ganz so einfach zu erkennen, welche Workshops eine gute Qualität bringen werden und welche eher nicht. Ich habe hier ein paar Richtmerkmale zusammengestellt, die ich aus meiner eigenen, zuerst jahrelangen Erfahrung als Teilnehmerin, und dann später als Facilitator, zusammengetragen habe. Ausserdem habe ich mit vielen Teilnehmer*innen über die Frage gesprochen, warum sie gewisse Events/Workshops meiden und nach welchen Kriterien sie diese auswählen, die sie dann tatsächlich besuchen.

Wenn du zum ersten Mal in die Workshop-Welt eintauchen möchtest, lohnt es sich, dass du dich im Freundeskreis umhörst, in Foren nachliest ob du etwas über die Anbieter findest, und dass du die Ohren zB. an Stammtischen aufsperrst. Gute Mund zu Mund Propaganda ist ein gutes Zeichen. Wenn du dann jemanden ausgewählt hast, achte darauf, dass aus der Workshop Beschreibung ein ungefährer Ablauf und das Lernziel hervor gehen. Aus der Beschreibung sollte auch ersichtlich sein, dass Übungen optional sind und Anleitungen als Einladung gelten. Auch sollten in der Beschreibung, oder auf der Webseite, klare Verhaltensregeln und Werte kommuniziert werden. Dort solltest du auch einen Abschnitt finden, in dem das Thema Alkohol und Drogen angesprochen wird. Nachdem du dich angemeldet hast ist eine Zeitnahe und kompetente Beantwortung deiner Fragen ein gutes Zeichen. Ausserdem sollte die Infrastruktur (Adresse, Essensmöglichkeiten, Schlafmöglichkeiten etc.) klar kommuniziert sein.

Am Workshop selber sollte ca. 1/5 der Workshopzeit dafür aufgewendet werden über Konsens, Safeword, Grenzen und Sicherheit zu sprechen. Einiges davon gehört gleich zu Beginn angesprochen, Teile davon können laufend besprochen werden. Safersex soll vorab und während der Veranstaltung propagiert werden und alle sollten aktiv dazu angehalten werden, sich danach zu richten. Safersex Utensilien werden zur Verfügung gestellt (Lecktücher, Handschuhe, Kondome, Gleitmittel, Desinfektionsmittel).
Es ist klar und ersichtlich, das Dozent*innen eine Fachkompetenz haben, und das Gesagte soll nachweisbar sein. Einerseits in dem sie Erfahrungen bieten, bei denen du deine eigenen Schlussfolgerungen ziehen kannst, andererseits sollen sie auch empfänglich sein für Feedback, dabei soll dir deine Realität nicht abgesprochen werden. Wenn die Dozent*innen auf einen Fakt bestehen, soll dieser belegbar sein.
Zwischen allen Anwesenden sollte es eine klare Rollenverteilung geben, es soll klar sein wer den Workshop leitet, wer Assistiert und wer die Teilnehmer*innen sind. Die Dozent*innen sollen während des ganzen Workshop eine klare Rolle einnehmen, und sich ihrer Machtposition bewusst sein. Wenn Dozent*innen simple Übungen unterstützen, weil zB. ein*e ungerade Teilnehmer*innenzahl besteht, sollten sie auch hier eine professionelle Haltung beibehalten.
Auch sollte es mehrere Ansprechpersonen geben, die den Teilnehmer*innen während des ganzen Workshops zur Verfügung stehen. Dabei wir auch das Thema Aftercare angesprochen und die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme nach dem Event, um gegebenenfalls noch offene Fragen zu klären oder Feedback zu geben etc.

Was sind nun die Zeichen für Events, die ich eher nicht besuchen würde?
Events mit einem Gender Based Pricing meide ich, denn das ist normalerweise ein Zeichen, dass sich viele Männer anmelden und wenige Frauen und dafür gibt es wahrscheinlich einen guten Grund.
Eine unklare Workshop Beschreibung, die mit New-Age Firlefanz ausgeschmückt ist, oder wenn es im Kursprinzip nicht um Inhalte geht, sondern um unrealistische Versprechungen (zB. “ein loslösen von aller Negativität” oder “du wirst ein*e Sexgött*in werden” etc.), oder ein Lifestyle oder Gemütszustand versprochen wird, statt sich auf den Inhalt und den Prozess zu konzentrieren. Wenn Dozent*innen sich anmassen die Teilnehmer*innen besser zu kennen als diese sich selber (Aussagen wie du strahlst aus/es sieht so aus, als ob du xyz wärst/machen müsstest etc.), Druck ausüben oder ungebeten Ratschläge verteilen. Workshopleiter*innen sollten dich niemals zu etwas überreden oder dich in eine Richtung pushen wollen, in die du nicht gehen möchtest, besonders wenn es um Berührung oder Nackt sein geht.
Schwierig finde ich es auch wenn nicht ersichtlich ist, wer den Event organisiert, das heisst wenn kein Foto auf der Webseite zu finden ist, nur Alias Namen veröffentlicht werden und/oder kein Socialmediaprofil zugeordnet werden kann.
Besondere Red Flags sind:
– Männer die Workshops für Frauen anbieten, wenn möglich noch mit der Intention des Sexual Healing.
– Wenn in Zweiergruppen gearbeitet werden soll und die Anbieter davon ausgehen das diese grundsätzlich aus Mann und Frau bestehen.
– Wenn Dozent*innen Teilnehmende Daten, während des Workshops flirten / klare Präferenzen zu gewissen Teilnehmenden zeigen, oder freiwillig (unaufgefordert oder aus eigenem Spass an der Sache) bei den Übungen mitmachen.
– Sexuelle Interaktion zwischen Workshopleiter*innen oder Facilitator währen oder gleich im Anschluss eines Workshops.

Viele Anbieter leisten grossartige Arbeit und wir von Zwischenwelten sind dankbar für all diese Menschen, die zu einer sexpositiven Welt beitragen. Sei trotzdem vorsichtig bei der Auswahl der Events und wisse, dass du einen Workshop jederzeit und ohne Begründung verlassen kannst.

© Michaela Fuchs 2020, dieser Text darf weder als Ganzes noch in Teilen übernommen und/oder vervielfacht werden.

Michelina
michelina@zwischenwelten.ch
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