Unsere Haltung zu Konsens und Kursleitung

Unsere Haltung zu Konsens und Kursleitung

Seit der Gründung von Zwischenwelten erhalten wir viel Lob für unsere sorgfältig durchdachten Konzepte und für die Räume, die wir gemeinsam kreieren. Und ja, diese Konzepte sind wichtig. Gleichzeitig pfuscht uns die Menschlichkeit immer wieder dazwischen. Je älter wir werden, desto klarer wird uns: Perfektion existiert im menschlichen Miteinander nur als theoretisches Konzept. Und wir werden nie aufhören zu träumen und wollen wachsam und flexibel bleiben, um immer mehr und mehr unseren Anforderungen zu genügen.

Was bisher nie ein ausführlicher Teil unserer öffentlichen Konzepte war, ist unser Verständnis von Kursleitenden, Assistent*innen und Community Leaders. Intern war das für uns lange geklärt, aber nicht verschriftlicht. Das möchten wir hiermit nachholen. Konkrete Punkte dazu werden wir auch noch in unseren Regeln erweitern.

Grundhaltung
Unser Ziel ist es, möglichst anarchistischen Wissenstransfer zu ermöglichen: aus der Community, für die Community. Im Zentrum stehen dabei Erfahrung, Praxis und Wissen und nicht die Personen, die diese Inhalte anleiten. Rollen sind notwendig und wir erkennen sie an. Gleichzeitig sollten diese Rollen nicht zu persönlichen Gunsten ausgenutzt werden.

Anarchistisch bedeutet für uns nicht, dass es keine Leitung oder Verantwortung gibt. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass wir als Teacher und Organisator*innen aktiv und kontinuierlich unsere Position reflektieren und uns bemühen, hierarchischen Dynamiken entgegenzuwirken, statt sie unbewusst zu reproduzieren.

Verantwortung heisst für uns, uns ernsthaft darum zu bemühen, anti-diskriminierende Räume anzubieten und uns bewusst zu sein, wo wir diskriminierend agieren. Dafür müssen wir unsere eigenen Grenzen, Prägungen, Ressourcen und Privilegien reflektieren und benennen. Verantwortung heisst auch, Stellung zu beziehen, wenn etwas schiefläuft, und im Austausch zu bleiben. Auch dann, wenn es unbequem wird.

Kursleitung
Von unseren Kursleiter*innen erwarten wir vor allem eine spürbare Leidenschaft für die Sache selbst und eine lebendig bleibende Neugier und Präsenz in ihrer Arbeit.  Wir wünschen uns eine stimmige Balance aus Bescheidenheit und Souveränität sowie ein Bewusstsein dafür, dass die Rolle als Kursleitung strukturelle Macht mit sich bringt. Ebenso wichtig ist uns, dass sich Kursleitende in unseren Räumen zu unseren Bedingungen bewegen und grundsätzlich einen menschlichen, empathischen Umgang pflegen, der sich für uns stimmig anfühlt.

Was wir nicht erwarten, ist emotionale Makellosigkeit. Viele von uns sind ziemlich weird und das ist für uns selbstverständlich. Dass wir in einem stetigen Lernprozess sind, ist uns auch klar. Wir erwarten nicht, dass wir hinter allen anderen Angeboten, Aussagen oder Arbeitskontexten unserer Kursleiter*innen stehen können oder dass sie sich in jedem Raum nach unseren Standards oder Wertvorstellungen verhalten. Wir müssen uns nicht überall einig sein, aber gewisse Grundhaltungen wie auch Verhaltensstrukturen sind für uns nicht verhandelbar.

Teilnehmende
Von unserer Community und von unseren Teilnehmenden wünschen wir uns mehr offene Gespräche und Experimentierfreude im Umgang mit schwierigen Situationen.  Wir wünschen uns Mut zur Stellungnahme, Integrität und Konfliktfähigkeit, im Kleinen, wie auch im Grossen. Ebenso wünschen wir uns den Mut, sich selbst in der Rolle des Teachers auszuprobieren. Anarchistisch heißt für uns auch, dass viele Menschen ihre Kompetenzen (und Inkompetenzen) erkennen und sich trauen, ihr Wissen wertzuschätzen und weiterzugeben.So können wir aktiv gegen Personenkult und starre Hierarchien wirken.

Sidonia
sidonia@zwischenwelten.ch
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