Aufbau Kursorganisation
Bei der Kursleitung unterscheide wir drei Rollen, je nach Situation können diese von einer oder mehreren Personen übernommen werden:
Organisation Zwischenwelten
a) Zur Verfügung Stellen des Raums
b) Putzen und Vorbereitens des Raum
c) Vorbereitung benötigtes Material und Aufstellen des Space
d) Snacks
e) Notfallpläne (Brand, Unfall usw.)
f) Kommunikation mit Teilnehmenden im Vorlauf zum Workshop (Ticketing, Fragen, Infos zum Workshop)
g) Koordination der Finanzen
h) Werbung für Veranstaltung
i) Koordination Feedback
j) Kommunikation mit Kursleitung
Kursleitung
a) Erarbeitung der Workshopbeschreibung und des Kursinhaltes
b) Kommunikation mit Organisation zur Materialliste für Kursleitung und Teilnehmende
c) Entscheidung über Durchführung des Kurses in Absprache mit Organisation (ehrliche Einschätzung basierend auf Anmeldungen, Gesundheit usw.)
d) Durchführung des Kursinhalts und Vermittlung des versprochenen Angebots
e) Präsenz und authentischer Austausch mit Kursteilnehmenden
f) Verantwortungsübernahme für die Regeln und den Ablauf
g) Selbstregulierung
h) Beobachten der Teilnehmenden und Regulierung der Gruppenatmosphäre
i) Ansprechperson für Feedback & Aufarbeitungen von möglichen Verletzungen
j) Nachbearbeitung und Reflektion Workshop (Selbstreflektion, Selbstassessment Intervision, Supervision, Notizen, usw.)
Assistenz
Assistenz unterstützt die Kursleitung. In welchen Bereichen, wird klar im Voraus abgesprochen. Dies könnte sein:
a) Zusätzliches Raum-Halten und Kursteilnehmende bezeugen
b) Emotionaler Support für schwierige individuelle Prozesse von Teilnehmenden
c) Emotionaler, inhaltlicher oder organisatorischer Support für Kursleitung
d) Angebot für Flexibilität bei Übungspartner Wahl
e) Zusätzliche Kontrollfunktion für Aufrechterhaltung der Regeln und Direkt-Feedback an Kursleitung
f) Unterstützung mit praktischen Gegebenheiten, wie Snacks oder Putzen
g) Anleitung von einzelnen Übungen
h) Bereichernde Perspektive als zusätzliche „erfahrene“ Person
Grundsätzlich sollte die Arbeit als Assistenz eine fair bezahlte Stelle sein.
Alternativ kann die Teilnahme als Assistenz ein einmaliges Geschenk von einer ehemaligen Teilnehmerin sein, als Zeichen von Wertschätzung, eine einmalige Bewerbung für zukünftige Zusammenarbeit sein oder sie kann ein Angebot von der Kursleitung als einmalige Chance, einen Kurs kostensparend zu wiederholen, um mehr Informationen absorbieren zu können.
Profil Kursleitung
1) Du hast die Regeln und das Glossar verstanden, und bist bereit, diese Regeln und Sprache auch umzusetzen sowie anzuwenden.
zwischenwelten.ch/vereinbarung/
zwischenwelten.ch/glossar/
2) Professionalität: Du fühlst dich kompetent, das Wissen zu vermitteln, welches du weitergibst, und kennst gleichzeitig die Grenzen deines Wissens. Du bist mit anderen Menschen in diesem Bereich vernetzt und hast mehrjährige Erfahrungen mit der Sache. Du bist neugierig und leidenschaftlich über dieses Thema, bildest und entwickelst dich fortlaufend weiter und hast ein System, welches dich in professionellen Krisen unterstützt und trägt. Du unterrichtest aus Leidenschaft für die Sache und aus einem Wohlwollen hinaus. Du folgst deiner Intuition und Resonanz, bleibst dabei im Dienst gegenüber den Kursteilnehmenden.
3) Persönliches: Du bist wertschätzend und wohlwollend gegenüber deinen Teilnehmenden. Du bist resilient gegenüber Stressreaktionen, Disharmonie und Autoritätsresistenz und kannst souverän und wohlwollend damit umgehen. Du bist selbstsicher. Du kannst auf verschiedene Gruppen und deren Bedürfnisse eingehen und bist flexibel genug, dich diesen anzupassen. Du willst aktiv die Teilnehmenden empowern, sich möglichst frei und möglichst sicher an deinen Kursen zu fühlen. Du fühlst dich ermächtigt, die Gruppe zu führen.
Vorbereitung und Durchführung des Workshops
1) Planung: Du hast Klarheit über das Ziel des Workshops, was das Profil deiner Teilnehmenden ist und welche Art der Übungen durchgeführt werden. Du hast einen Stundenplan und weisst, welche Materialien du brauchst. Jede Kursleitung hat sich ein klares Konsens-Konzept erarbeitet und baut den Workshop dementsprechend auf: Grounding-Übungen, Interaktionsübungen, Verhandlungsübungen, etc.
2) Vorausdenken: Du bist dir den möglichen Risiken und Dynamiken bewusst und bedenkst dies in deiner Kommunikation. Wie schützt du das Ziel des Workshops? Was machst du um nicht kongruente Intentionen (zB persönlicher Hunger nach Berührung, Sex, Kontakt, Selbstverwirklichung etc.) einzuzäunen? Wie könnten gewisse Übungen missverstanden werden?
3) Ausblick geben: Der Workshop ist in überschaubaren, rituellen Segmenten organisiert. Teilnehmende wissen, was auf sie zukommt, generell in der Tagesstruktur, und spezifisch bei Übungen. Das heisst konkret: Alle Übungen und deren Inhalte werden im Voraus verbal angesagt oder demonstriert und der Zeitrahmen wird kommuniziert. Es gibt keine unangesagte “Überraschungen” während Übungen (Partnersuche, Partnertausch, Setting-Veränderung).
4) Verlassen des Kurses: Teilnehmende wissen, dass sie jederzeit den Workshop verlassen dürfen, sind aber gebeten, dies der Kursleitung mitzuteilen. Die Entscheidung, den Kurs zu verlassen, sollte von der Leitung normalisiert sein und muss von TN-Seite nicht begründet werden. Ein Hilfsangebot (Feedback, Dampf ablassen, sich ausdrücken) sollte aber gemacht werden.
5) Übungen basieren auf Freiwilligkeit: Bei jedem Segment wird den Teilnehmenden eine aktive Wahl angeboten, ob und wie sie an diesem Segment teilnehmen wollen. Dies wird nicht nur betont, es wird proaktiv gelebt. Alterierungen zur Übung werden vorgeschlagen, alternative Ideen werden gemacht, wie auch die Möglichkeit eine Pause einzulegen oder die Übung als zeugende Person zu erleben. Teilnehmende sollten immer einen bewusst gewählten Schritt in die Übung machen dürfen und nicht automatisch in diese Übungen geraten. Das Aussitzen von Übungen soll normalisiert sein. Das heisst, dass grundsätzlich nicht nachgefragt wird, wieso jemand eine Übung nicht mitmacht, sondern dies wird als selbstverständliche Wahl verstanden.
Zusätzlich wird wiederholt betont, dass auch während der Übung jederzeit gestoppt werden darf.
6) Klare Ansage über obligatorische Teile des Workshops
Es sollte klar sein, ab wann Leute nicht mehr zugelassen werden und welche Segmente nicht verpasst werden dürfen. Dies beinhaltet meistens den Intro-Kreis, wie auch sicherheitsspezifische Instruktionen und Gruppendynamik-Sensible Segmente, die gehört oder bezeugt werden müssen, so dass der Workshop sich möglichst stabil anfühlt. Das heisst, dass wenn jemand an gewissen Teilen nicht dabei ist, diese Person den gesamten Workshop verlassen soll.
7) Raumöffnung: Am Anfang werden die wichtigsten Regeln und Abläufe des Kurses besprochen.
Folgende Punkte sind uns wichtig:
● Zwischenwelten-Regeln und Glossar sind die Basis
Das Fundament für unser Zusammenleben sind die Regeln und das Glossar von der Zwischenwelten Website und wir beziehen uns in Fällen von Diskriminierung o.ä darauf.
● Ich-aussagen (& Neugierige Fragen)
Alle sprechen für sich, nicht füreinander, nicht “man”, nicht “uns”. Dies beugt auch gegen Verallgemeinerungen, Grenzüberschreitungen usw. Vor.
● Redezeit im Blick behalten
Informiert die Gruppe, dass ihr ggf. interveniert, wenn die Zeit oder das Thema der Sharings den Rahmen sprengen.
● Vertraulichkeit
Teilnehmende respektieren und schützen die Identitäten, persönlichen Prozesse und Geschichten von anderen Teilnehmenden und erzählen diese nicht weiter.
Teilnehmende dürfen von ihrem Workshop-Erlebnis erzählen, insbesondere Inhalt und Struktur des Kurse und was Kursleitende sagen.
Gegebenenfalls willst du, dass Teilnehmende achtsam mit Materialien umgehen (copyright) oder dich zitieren, das darfst du natürlich selbst entscheiden und thematisieren.
8) Raum-Schliessung: Am Ende des Workshops schliessen wir den Raum und setzen die Regeln für den Ausstieg / Transition an die Teilnehmende
Wir empfehlen folgendes:
● Feedback Willkommen
Kursleitung ist verfügbar für Prozesse, Besprechen, Auffangen, Feedback oder Fragen nach den Workshops. Einladung zum Feedback Formular oder E-Mail schreiben (ohne Zeitlimits, es kann auch in 2 Jahren sein).
→ Feedback kann verschiedene Bedürfnisse erfüllen. Teilnehmende teilen es als Form der Wertschätzung, als Act of Care für die Kursleitung, Organisation oder zukünftige Teilnehmende oder die Community. Es kann auch als Self-Care geschrieben werden (Für Selbstreflektion, Dampf ablassen, Verbindung zur Kursleitung usw.)
● Kontakt: Keine Anfragen von Kontaktdaten. Lass den Workshop vorerst auf dich wirken. Wenn du später den Kontakt mit jemandem aufnehmen willst, den du am WS kennengelernt hast, kannst du eine Nachricht an diese Person schreiben und an die Kursleitung schicken. Diese leitet diese Mail an die gewünschte Person weiter.
● Platz für Transition:
Transition in die eigene Lebensrealität kann intensiv oder emotional belastend sein. Sucht support, falls euch der Übergang nicht gut gelingt.
Falls emotional noch etwas gebraucht wird, holt dies bei der Kursleitung ab, und nicht bei anderen Teilnehmenden.
Gebt anderen Teilnehmenden Platz, die Transition in ihre persönliche Lebensrealität zurückzufinden.
Niemanden physisch oder emotional in Ecken oder Gespräche drängen oder einseitige Reflektionen über den Workshop wieder öffnen. Nicht vor der Tür auf jemanden warten, um gemeinsam zum Zug zu laufen, usw.
Offene Angebote auf achtsamer Gegenseitigkeit sind in Ordnung: “Ich gehe noch etwas trinken, wenn jemand/du mitkommen will(st), sprecht mich an.” “Ich laufe in 5 min zum Bahnhof.“ Will jemand mitlaufen, lasst es mich wissen” “es gibt noch etwas, was mich vom Workshop nicht loslässt, eventuell können wir uns irgendwann dazu austauschen. Schreib doch eine Nachricht an die Organisation zum Weiterleiten, falls du daran interessiert bist“
9) Notfallmanagement während oder nach einem Workshop:
● Falls jemand eine Krise hat, ist es wichtig, dass sie auf der menschlichen Ebene aufgefangen werden. Dies beinhaltet: Troubleshooting, Anerkennung von gemachten Fehlern, die zu Verletzungen, Verwirrung oder Regelbrüchen geführt haben, Empathie geben, Sache einordnen und kontextualisieren helfen.
Menschen in Krisen sollen nicht allein gelassen werden. Notfalls sollte eine Vertrauensperson oder psychologische / medizinisches Fachpersonal zur Hilfe gezogen werden)
● Falls TN als Teil oder Integration des Workshops etwas braucht, muss der Kontakt professionell und klar abgesteckt sein: Rahmensetzung für Auffangen, Feedbacks, Repair Prozesse: Wie lange, was ist das Thema? Welches Format nutzen wir? Jegliche Austausche werden von der Kursleitung vertraulich behandelt.
● Klarheit über Limiten: Teacher gehen nicht in (trauma-)therapeutische Arbeit und grenzen sich auch ab, um Projektionen, Re-traumatisierungen und chaotische Prozesse zu verhindern.
Strukturelle Verantwortung der Kursleitung
Es gibt in unserer Gesellschaft nur wenige Vorbilder für anti-hierarchische Lernsettings. Wir wollen unsere Rolle wahren, unsere Macht nutzen und gleichzeitig authentisch und beziehungsorientiert bleiben. Wir verstehen, dass dies ein “Trial and Error” Prozess ist wünschen uns von. unseren Teachers, dass, Haltung für Gerechtigkeit, Authentizität und kommunaler Wertschätzung einnehmen.
Folgende Punkte sind uns dabei wichtig
1) Transparenz und Klarheit: Wenn du an einem Workshop unterrichtest, bist du transparent in deinen Quellen, deinen Erfahrungs-Schätzen, den Fachgebieten und Prozessen, die zu deinem Wissen führten. Du bist auch klar über dein Nicht-Wissen. Du unterscheidest zwischen deinen Glaubenssätzen, Meinungen, und deinem kognitiven Wissensschatz und deinen Erlebnissen und bist vorsichtig damit, “universelle Wahrheiten” zu formulieren. Du kommunizierst grundsätzlich mit Ich-Aussagen.
“Mein xyz-Lehrer, bei dem ich 3 Jahre lang wöchentlichen Unterricht genommen habe, erklärte mir, dass…”
“In buch xyz habe ich gelesen, dass…”
“Beim Praktizieren von xyz über die Jahre bemerkte ich immer wieder das Muster, dass …“
“Es gibt eine Doku, wo behauptet wird, dass.“
“Ich vertrete den Glaubenssatz, dass…”
usw.
2) Anerkennung von Fehlern & Fails:
Wenn Diskriminierung, Regelbrüche o.ä passieren, sollte das auch adressiert werden. Alle Betroffenen sollten dabei einbezogen werden (explizit auch Zeug*innen). Notfalls ist eine Aufarbeitung per Mail einem Schweigen vorzuziehen. Dabei sind Vertraulichkeit, Opferschutz und die Fragilität der Situation immer mitzudenken.
Startvorschläge für Check-Ins in deiner Rolle als Kursleitung mit Teilnehmenden oder im Kreis:
“Ich bereue, dass…”
“Ich fühle mich unwohl / unsicher, weil ….”
“ Ich kann mir vorstellen, dass… “
“dein Verhalten xyz (spezifisch) verstösst gegen Regel abc (spezifisch)”
“Deine Aussage xyz steht in Diskrepanz mit Wertvorstellung abc “
“Ich merke, dass ich mich unklar ausgedrückt habe und dass dies zu Verwirrung geführt hat.”
“Ich fühle mich gerade unruhig. Meine Sorge ist, dass…“ „Wie geht es euch gerade mit diesem Thema?”
3) Rollenklarheit:
Du erkennst die Macht, die dir deine Rolle als Kursleitung gibt. Du nutzt diese Macht, um den Workshop zu gestalten und Entscheidungen zu treffen und nimmst diese Macht auf eine verantwortungsbewusste und professionelle Weise ein. Du verstehst Workshopräume als Beziehungsräume und praktizierst dabei angemessene, rollen-bewusste Kommunikation.
Du bist die primäre Instanz für die Einhaltung der Regeln, Schutz von Diskriminierung und Grenzverletzungen. Du hast Verantwortung für die Durchführung des Kurses, wie er abgemacht ist, für das Wohlbefinden im Raum, für Konfliktmanagement und die Aufarbeitung von Fehlern und Verletzungen.
Dein Sicherheitsgefühl und dein Komfort sind für den Erfolg der Raumatmosphäre wichtig. Als Vorbild dafür setzt du Grenzen für dich, und trittst authentisch und klar auf. Als Person am Steuer traust du dich, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Du sorgst dafür, dass der Raum für dich tragbar bleibt, deine Wertvorstellungen und Limiten nicht übergangen werden. Du musst dabei deine Entscheidungen nicht zwingend rechtfertigen.
Du fühlst dich bereit, zu intervenieren. Du gehst aktiv auf Leute zu, setzt Gesagtes von Teilnehmenden in angemessene Kontexte (insbesondere bei tollpatschigen Aussagen, tollpatschigen Verhalten und Ereignisse, welche für die Gruppe oder dich als Kursleitung stressend sind) du fühlst dich befähigt, problematische Handlungen zu stoppen, einzugreifen, oder auch Menschen aus den Räumen zu verweisen.
Manchmal kann etwas nicht verbalisiert werden, oder in einer Stresssituation fällt die Rationalität aus. Du darfst auch deinen Diskomfort oder eine Unsicherheit benennen, aushalten oder eine Reflektionspause einlegen und dir Zeit lassen, eine Antwort zu finden.
Versuche so schnell wie möglich zu handeln, aber sei auch grosszügig mit dir im Prozess des Lernens und sprich mit uns darüber. Manchmal passieren Interventionen erst nach einem Workshop, per Mail zum Beispiel. Es ist nie zu spät, eine problematische Situation aufzuarbeiten und für die Zukunft zu lernen.
Kursleitung und Übungsteilnahme während Workshops
Als Kursleitung oder Assistenz darfst du dich, wenn du es angemessen findest, zur Verfügung stellen, um als Übungspartner*in zu agieren. Du solltest in dieser Rolle nie aus Eigeninteresse ein Angebot oder eine Bitte machen, in die Übung zu gehen. Du solltest auch Bitten ablehnen, die eine “beziehungssuchende” Natur zu haben scheinen (wenn die Teilnehmende Person klar macht, dass sie die Übung nur mit dir machen will, weil sie dich attraktiv findet, oder du besorgt bist, dass sie dich in deiner Leitungsposition auf ein Podest stellt). Zusätzlich solltest du wachsam sein, Leute zu ermächtigen, die Übung NICHT mit dir zu machen, oder eine Übung abzubrechen, welche sich nicht reguliert oder stimmig anfühlt.
Wenn du die Übung machst, machst du diese authentisch und reguliert zugleich. Fahre deine Emotionen wie Lust Genuss, Freude, Trauer, Wut nicht auf 100% hoch, sondern belasse sie eher auf 60%. Falls Anziehung gegenüber Kursteilnehmenden existiert, sollte dies verdeckt bleiben und nicht besprochen oder angedeutet werden.
In Gruppenübungen beteiligst du dich nur dann, wenn deine Teilnahme die Gruppe unterstützt. Wenn du mitmachst, tust du dies neutral.
Klarheit über Gewaltstrukturen
Du bist dir der Gewaltstrukturen der Aussenwelt (Kolonialismus, Patriarchat, Kapitalismus usw.) bewusst und wie sie auch menschliche Nervensysteme prägen können.
Du bist dir deiner strukturellen Privilegien und Marginalisierungen bewusst und kannst diese, wenn nötig, ansprechen und wahrnehmen, wenn es Schwierigkeiten in der Gruppe gibt. Dabei behältst du gleichzeitig auch die Machtdynamik deiner Rolle im Auge. Du verstehst den Workshop als Mikrokosmos, wo beispielsweise Schul-Traumas, Autoritätsresistenz, Gruppendruck und People-Pleasing ein Thema werden können. Es wird aktiv Haltung eingenommen, um marginalisierte Menschen zu schützen. Gerechtigkeit ist in unseren Räumen wichtiger als Harmonie.
Du nutzt deine Lebenserfahrung und Intuition als Kompass. Du behältst den Raum und die nonverbalen Signale der Teilnehmenden im Auge und fragst proaktiv nach, wenn sich etwas unsicher anfühlt.
Du kannst zwischen tragbarer “Tollpatschigkeit” und klarer Diskriminierung unterscheiden. Du fühlst dich im Falle von generalisierten Aussagen, Rassismus, Misgendering, Ableismus, Sexismus, Queer- und Transfeindlichkeit bereit und geübt, zu intervenieren. Im Zweifelsfall stellst du dich gegen Marginalisierung und für strukturellen Schutz ein.
Es soll keine emotionale Arbeit oder Erklär-Arbeit von Opfern oder marginalisierten Menschen eingefordert werden. Der grösste Teil der Hausaufgaben und Prozesse sollte erstens von der Kursleitung getragen werden und zweitens mit den Menschen, die Verletzungen ausgelöst haben. Leute die Verletzt wurden bekommen Entschuldigungen, Unterstützungsangebote und ggf. Updates über unternommene Schritte oder gemachte Fehler, sollen aber nicht reagieren müssen, wenn sie das nicht wollen.
Du hast ein Bewusstsein für Stressreaktionen (eigene und die von anderen) und bist bekümmert, strukturelle Faktoren auch über die “Heftigkeit” einer Reaktion zu stellen (Stichwort White Fragility / Male Fragility). Du hast Verständnis für gängige Manipulationsmuster (wie z.B DARVO oder Tone Policing) um sie möglichst zu verhindern.
Verhalten von Kursleitung gegenüber Teilnehmenden nach dem Workshop
Teacher initiieren keinen persönlichen Kontakt mit TN nach dem Workshop, was nicht ausserhalb von 1-2 Austauschen (kurze Sätze nach Workshop oder kurzen Mailaustausch später) abgeschlossen werden kann. Dies kann ein Satz der Wertschätzung sein, ein Verweis auf Bücher / Artikel / Onlineshops, oder ein Einchecken wegen einer persönlichen Dynamik wegen des Workshops. Es soll klar sein, dass diese Sharings Angebote sind, und keine Antwort verlangen.
Status als Kursleitung: Dein Status als “Expertin” in dem Bereich, den du unterrichtest, nimmst du auch in andere Räume mit. Sei dir dessen bewusst, wenn du neue soziale Dynamiken oder Beziehungsdynamiken navigierst. In sozialen Settings (dies beinhaltet physischen wie auch digitalen Austausch), lass ehemalige Teilnehmende auf dich zukommen und nicht umgekehrt.
Langsames Wachstum von Beziehungsveränderung: Lasse Beziehungen mit Menschen, die dich primär aus Kursleitung Settings kennen, langsam und kontrolliert wachsen, um der Transition Zeit zu geben. Zwischen einer Beziehung von Kursleiter*in und Teilnehmer*in und einer privaten, romantischen, emotionalen oder sexuellen Beziehung sollten sich eine gewisse Zeit und mehrere platonische Treffen dazwischen befinden, welche sich auf gegenseitigem persönlichem Interesse beruhen und bei denen beide Seiten Initiative zeigen und aktiv bemüht sind, diese Kontakte frei zu wählen.
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